Mal blitzsauber, mal kurios

Mit einer Vorstellung, die eines Spitzenreiters würdig war, landete der SV Sirzenich in der Fußball-Kreisliga A einen souveränen 3:0-Erfolg gegen arg ersatzgeschwächte Gäste vom SV Föhren. In die Torschützenliste trug sich diesmal auch ein Akteur ein, der sonst eher weniger für seinen Offensivdrang bekannt ist – und auch noch auf außergewöhnliche Art und Weise traf.

„Da hast du ja noch einen ganz schönen Strahl abgegeben.“ Als Sirzenichs Trainer Andreas Wagner seinen Abwehrspieler Philipp Thiel in der 82. Minute der Partie gegen den SV Föhren vom Feld nahm, klatschte er seinen Schützling mit einem Augenzwinkern ab - und doch schwang auch Anerkennung in den Worten des Coachs mit: Kurz zuvor hatte Thiel nach zwei blitzsauber herausgespielten Treffern seiner Mannschaftskollegen Tim Brandscheid  (28., nach Diagonalpass von Joshua Bierbrauer) und Bierbrauer selbst (46., nach klugem Pass von Steffen Hausen) auf kuriose Art und Weise das schönste Tor an diesem verregneten Sonntag Nachmittag in Sirzenich erzielt.

Kurz hinter der Mittellinie hatte der 29-Jährige Maß genommen. „Eigentlich wollte ich mit dem langgeschlagenen Ball Joshua Bierbrauer erreichen. Der kam nicht mehr ran, irritierte den Torwart aber etwas. Das Ding wurde immer länger und plötzlich war es drin“, schilderte Thiel, der genauso wie sein Trainer und vier weitere Spieler in der Sommerpause vom B-Ligisten SV Trier-Olewig nach Sirzenich gewechselt war und nun zu seinem ersten Saisontor kam. So ganz aus Zufall kam diese Situation aus Sicht von Coach Wagner nicht: „Auf dem nassen Platz war schon die Marschroute, immer mal wieder hohe Bälle in den gegnerischen Strafraum zu schlagen. Da ist es nicht ausgeschlossen, dass mal einer durchrutscht.“

Eine Woche, nachdem sein Team die Tabellenführung von der FSG Ehrang/Pfalzel übernommen hatte („Der Druck liegt nicht bei uns. Wir wollen aber am Ende besser als im Vorjahr und damit höher als auf Platz drei abschließen“, so Wagner), brauchte es zunächst etwas, um in die Gänge zu kommen.

Philipp Thiel, der Torschütze aus 40 Metern:

Die Gäste agierten laufstark und mutig im Spiel nach vorne – obwohl unter den zahlreich fehlenden Spielern besonders Topgoalgetter Peter Thielmann schmerzlich vermisst wurde: Der bislang neunfache Saisontorschütze musste studienbedingt passen. Im letzten Moment köpfte Sirzenichs Philipp Geißler den Ball nach fünf Minuten vor Marvin Haubrich weg. Kurz darauf klärte Julio Ngangu im Duell mit Nico Schabio gerade noch zur Ecke (7.).
Die Offensivwucht der Hausherren trat dann aber immer mehr zutage. Richtig gefährlich vorm Föhrener Tor wurde es erstmals in der 19. Minute; Luca Bierbrauer zwang Schlussmann Dario Mock aus spitzem Winkel zu einer Glanzparade. Die Führung durch Brandscheid nach knapp einer halben Stunde hatte sich dann aufgrund des zunehmenden Drucks bereits abgezeichnet.

Sirzenich-Trainer Andreas Wagner:

Föhren mühte sich bis zur Pause, konnte aber im Spiel nach vorne keine Akzente mehr setzen. Das Sirzenicher Spiel lief aber auch nicht ganz so flüssig wie gewohnt. „Konzentriert euch mal, Männer“, entfuhr es Trainer Wagner zehn Minuten vorm Seitenwechsel. Immerhin verzeichnete sein Team bis zum Halbzeitpfiff des guten Schiedsrichters Kai Kirchen noch einen sehenswerten Freistoß von Hausen (43.) und eine Schusschance von Joshua Bierbrauer, der nach einer Ecke ebenfalls knapp scheiterte (45.).
Gerade einmal 55 Sekunden waren im zweiten Durchgang absolviert, als Joshua Bierbrauer den zweiten Treffer beisteuerte.

„Keinen Vorwurf machen“, wollte Föhrens Trainer Sebastian Pull seiner ersatzgeschwächten Mannschaft. „Es hätte schon alles passen müssen, um hier was mitzunehmen.“ Dazu hätte man auch die wenigen, sich bietenden Gelegenheiten (zweimal wurde Schabio im Strafraum gestoppt, 69., 76.) nutzen müssen.

Mit der Sicherheit einer 2:0-Führung im Rücken waren die Sirzenicher aber in den entscheidenden Momenten einen Schritt schneller und auch ein bisschen Glück auf ihrer Seite, wie der nicht ganz geplante Torschuss von Philipp Thiel belegt.

SV Sirzenich - SV Föhren⇥ 3:0 (1:0)

Sirzenich: Markus Borne – Philipp Thiel (82. Felix Opitz), Julio Ngangu, Kevin Endres – Aleks Klodt, Fabian Hamm (85. Lucas Dühr), Philipp Geißler, Luca Bierbrauer, Steffen Hausen – Tim Brandscheid, Joshua Bierbrauer.

Föhren: Dario Mock - Felix Angel, Christopher Haubrich, Steffen Tonner, Sven Wolter - Marvin Haubrich (85. Max Reuter), Marvin Elsen, Johannes Wey, Thomas Wagner, Daniel Loibl (60. Lukas Müller) - Nico Schabio.

Schiedsrichter: Kai Kirchen (Irsch/Saar)

Zuschauer: 105

Foto: Hans Krämer

Foto: Hans Krämer